In memoriam Dr. Helmut Fegerl

Die Redaktion Foto-Medico erhielt die traurige Mitteilung, dass Herr Dr. Helmut Fegerl, Arzt für Frauenheilkunde, am Samstag, dem 9.Oktober, völlig unerwartet im Alter von 76 Jahren verstorben ist.

Der Arbeitskreis für medizinische Bilddokumentation hat durch das Ableben von Kollegen Fegerl seinen ersten Obmann verloren, der viele Jahre lang, seit der Gründung dieser Vereinigung immer sehr aktiv für unsere Ziele und Anliegen tätig war. Die Frauenheilkunde trauert um einen bedeutenden Wissenschaftler und unermüdlichen Kämpfer für die Krebsfrüherkennung.

Kollege Fegerl war als junger Arzt in Hamburg der letzte Schüler von Hinselmann und anschließend auf dessen Rat bei Ayre, welcher viele Jahre enger Mitarbeiter und Freund des damals gerade verstorbenen Papanicolaou in den USA war. Fegerl erlernte und übte bei beiden Wissenschaftlern zuerst die Kolposkopie und dann die Zytologie. Pap-Abstriche sind weltweit Routine geworden, die Kolposkopie jedoch wurde es bis heute nicht. Fegerl war von der Wichtigkeit der Kolposkopie zur Krebs-Früherkennung seit seiner Arbeit bei Hinselmann überzeugt und trat sein ganzes Leben lang immer wieder für die konsequente Durchführung dieser Untersuchungsmethode ein. 1972 wurde Fegerl zum Präsidenten der Pan American Cancer Cytologie Society gewählt und organisierte im Juli 1973 das Joint European Assembly on Cytologie and Cancer Prevention in Salzburg.

Kollege Fegerl trat immer wieder an die Öffentlichkeit und wies darauf hin, dass die Kolposkopie nicht gelehrt, nicht geprüft und deshalb nicht gekonnt und nicht eingesetzt wird. Im Mai 1997 schrieb er an den Österreichischen Bundespräsidenten Dr. Thomas Klestil und auch an Herrn BM für Wissenschaft und Forschung Dr. Caspar Einem und wollte mit diesen Briefen erreichen, dass die Kolposkopie als Pflichtvorlesung mit ganz strenger Abschlussprüfung an Österreichs Universitäten eingeführt wird. Er musste aber als Anwort hören, dass das jüngst beschlossene Studienordnungsgesetz die autonome Lehrplangestaltung der Universitäten, respektive ihrer Fakultäten vorsieht.

In einem weiteren Schreiben am 15.Oktober 1997 wandte Kollege Fegerl sich an Frau BM für Frauenangelegenheiten und Verbraucherschutz Mag. Barbara Prammer. In der Antwort von Frau Minister Mag. Prammer gab es zwar einen kleinen Hoffnungsschimmer, aber zu der angekündigten und erwarteten Einladung zu einem Gespräch kam es leider nie.

Genau am Tag von Fegerls Tod, es war Samstag, der 9. Oktober 1999 fand im Krankenhaus Baden das 5.Praxisorientierte Kolposkopie-Seminar statt, welches Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe zum Thema hatte. Breiten Raum wurde neben der Kolposkopie der HPV-Infektion gewidmet. Foto-Medico druckt alle Abstracts, welche vor Drucklegung dieses Heftes in der Redaktion einlangten ab.

Beim Schreiben dieses Nachrufes denke ich an meinen Freund Helmut und gelobe in seinem Sinn auch in Zukunft über die Wichtigkeit und Bedeutung der Kolposkopie und ihre Dokumentation zu publizieren. Ich habe den Organisator der jährlichen Kolposkopie-Seminare, Herrn Prim. Univ.Prof. Dr. Frank Girardi gebeten als 1. Obmann unseres Arbeitskreises für medizinische Bilddokumentation mitzuarbeiten. Er war gerne dazu bereit und wird die Kolposkopie wie auch ihre Bedeutung für die Gesundheit der Frauen erklären, die Kolposkopie lehren und alles was ein ganzes Leben lang Kollege Fegerl´s Wunsch und Ziel war, fortsetzen.

Erwin Weihs