Digital-Studie Kodak Professional

Eine Fragebogenaktion über Bilddokumentationen in der Medizin wurde von Kodak durchgeführt. Man wollte den "Status quo" über Dokumentationen in Österreich an Universitätskliniken, in Krankenhäusern, Ambulanzen und Ordinationen untersuchen.

Besonderes Interesse von Kodak ist den Einsatz von digitalen Kameras zu erheben, zu propagieren und zu fördern. Die Redaktion Foto-Medico erhielt das Ergebnis von den zahlreichen retournierten Fragebogen Antworten, natürlich aus Gründen des Datenschutzes ohne Mitteilungen von Namen und Anschriften der Absender. Wir möchten den vorletzten Fragebogenpunkt an erster Stelle analysieren. Da werden die Ansprechpersonen aufgefordert drei Möglichkeiten anzukreuzen: Ich arbeite mit PC, Apple Macintosh, oder sonstigen . . . Das Ergebnis war, dass 87% der Fragebogenrücksender bereits mit einem Computer vertraut sind und damit arbeiten, nur 13% nicht. Die überwiegende Mehrheit der Mediziner verwenden einen PC, 8,1% arbeiten ausschließlich mit einem Apple Macintosh und 4,3% verwenden sowohl einen PC wie auch den Apple Macintosh. Alle Kollegen die nicht mit Computer arbeiten dokumentieren ihre Arbeitsabläufe und Untersuchungsergebnisse fotografisch überhaupt nicht oder selten und dann mit Kameras für konventionelle Fotografie. Trotzdem sind laut Fragebogen alle érzte an Unterlagen und Informationen über digitale Kameras interessiert. 17,2% wünschen zu den Informationen auch Preisangaben. Besonders wichtig erscheint allen ein leichtes Handling bei hoher Bildqualität. 8,6% wünschen sich auch Gespräche über digitale Kameras - telefonisch oder durch Besuche. 13% sind an Scanner, bzw. an Thermodruckern von Kodak interessiert. 8,3% wünschen sich Informationen über Komplettlösungen, die auch ein digitales Bildarchiv mit einschließen.

RESÜMEE: Es herrscht großes Interesse an digitalen Lösungen für Bilddokumentationen im Bereich Medizin. Dieses Interesse bezieht auch KollegInnen ohne Computererfahrung mit ein. Bei Gesprächen mit diesem Interessentenkreis müsste berücksichtigt werden, ob hier der Wunsch besteht einen Computer anzuschaffen oder ob man Systeme wünscht, welche die Bildspeichermedien lesen können und auch Fotos ohne Computer zu drucken in der Lage sind. Weiters müsste man sich bei Katalogen für érztInnen sehr genau überlegen, welches Zubehör zur Kamera für den Bereich Medizin interessant ist. Ich denke da an Mikroskopadapter, Adapter für Kolposkope, Endoskope, Möglichkeiten zum Duplizitieren von vorhandenen Diapositiven und vieles mehr.

"Aufbruch in die digitale Bilderwelt"
war der Titel einer Veranstaltung zu der am 22.9. d.J. Kodak eine große Anzahl von Berufsfotografen in das Conference Center Laxenburg einlud und dort ein Focusgespräch organisierte. Mit der Leitung der Veranstaltung wurde "clienting" betraut und Erich Wanits, der Companion der Ges.m.b.H. stellte in kabarettistischer Art provokante Fragen an die Anwesenden um den Grad ihrer "Schwangerschaft" in Bezug auf digitale Fotografie zu erörtern. Dabei zeigte sich, dass professionelle Anwender der digitalen Fotografie, besonders für den Sektor Aufnahme sehr reserviert gegenüber stehen. Wolfgang Reichmann vom Naturhistorischen Museum Wien meinte, es würde viel Geld kosten, die vorhandenen alten Glasplatten-Negative im Museum digital zu speichern und dann kommt noch ein Problem: Man weiß nicht wie lange digital gespeicherte Fotos archivierbar sind. Ein emsiger Fotograf meinte, er belichtet für einen Foto-Auftrag ca. 200 bis 220 Mittelformatfilme sortiert brauchbare Dias am Leuchtpult aus und scannt diese ausgewählten Fotos digital ein. Eine Sichtung von so vielen digitalen Aufnahmen wäre am Monitor wesentlich zeitaufwendiger. Ein Teilnehmer meinte, die digitale Technik ist noch zu teuer und auch qualitativ zu schlecht. Man hörte von einem Anwesenden, die digitale Fotografie wäre noch in den Kinderschuhen, man hat die Entwicklung noch nicht abgeschlossen und man wäre erst mitten drinn brauchbare und erschwingliche Lösungen zu suchen und zu finden . . .

Es gibt unter den Fotografen natürlich auch Optimisten, junge Leute, die sich mit einem Atelier in Kürze selbstständig machen wollen und voll auf die digitale Fotografie bauen. Sie bedauern zwar, dass es nicht wie beim Autokauf "Probefahrten" und "Testgeräte" gibt, aber sie sind pionierhaft genug einen Digitalstart zu wagen. Einem italienischen Fotografen tut es leid, dass es im österreichischem Fachhandel nur ganz wenig Kameras zum Vorstellen, Angreifen und zum Ausprobieren gibt, er spricht von 2-3 Modellen, wogegen zum Beispiel in Mailand ca. 15 Modelle im Angebot zur Auswahl vorgezeigt werden können.

Es gibt auch die Meinung, dass die digitale Qualität nicht schlecht wäre, aber es fehlen Workshops zum Erlernen und zum Erproben dieser Technik. Manche Fotografen holen sich Informationen über digitale Geräte aus dem Internet weil hier im Fachhandel sowohl die Auswahl wie auch die Beratung fehlen. Es wird auch betont, dass es eigentlich keine Kodak Kameras gibt, sondern Kodak forscht und erzeugt hauptsächlich die CCD-Sensoren für die Aufnahme, vertreibt diese an diverse Kameraerzeuger und baut die leistungsfähigsten, neuesten Kodak CCD-Sensoren in Fremdprodukte ein, die sie selber dann als Kodakprodukt auf den Markt bringt. Dabei muss allerdings der Name des Body auf dem Gerät stehen. So hat die neue Nikon 1D nur 2,7 Millionen Bildpunkte, dagegen Kodak professional DCS 330 einen Bildsensor mit 3 Millionen Pixel.

Hybride Technik wird von vielen professionellen Fotografen bereits eingesetzt. Hybrid heißt soviel wie zwitterhaft oder von zweierlei Herkunft. Auf gut deutsch, es wird konventionell fotografiert, die Fotos werden am Leuchtpult betrachtet, sortiert und die ausgewählten Bilder werden gescannt und digital nachbearbeitet. Die digitale Technik dient somit zur Verbesserung der Aufnahmen nur durch eine vereinfachte Möglichkeit der Retusche.

"Clienting" ließ durch Erich Wanits einen Fragebogen verteilen, der die Teilnehmer auf drei Seiten nach 68 mögliche Anforderungen hinterfragt und je drei Antworten erwartet, wobei jeder Fragebogenpunkt mit 0-10 Bewertungs-Punkten zu klassifizieren ist. Diese Art der Marktforschung und Anwenderberfragung ist eigentlich eine Sisyphusarbeit, die nicht allen zumutbar ist. Foto-Medico ist auch nicht der Meinung, dass so eine Befragung zielführend ist. Doch "clienting"-Profis werden wohl ihre Gründe haben solche Marathon-Aktionen zu organisieren.

FOTO - MEDICO sieht aber eine große Möglichkeit die digitale Fotografie über den Weg der medizinischen Bilddokumentation zu erproben und die Erfahrungen aus dem Krankenhaus in die Berufsfotografie weiterzugeben. Medizinische Aufnahmen sollen nämlich nicht veränderte und retuschierbare Tatsachen festhalten sondern Dokumente liefern, die forensische Bedeutung haben. Es gibt aber dabei ein Handykap. Gerade für den Bereich medizinische Bilddokumentation ist die Fotoindustrie mit der öberlassung von Testkameras und Testgeräten noch zurückhaltender als für Foto-Zeitschriften aus dem Consumerbereich. Sorry!

Dr. Erwin Weihs