ORTHOPÄDIE
6. Sitzung: WINKLER, H. - Wien
Prof. Winkler vom SMZ-Ost schlug als Vorsitzender vor, die erste Diskussion erst nach der Vorführung seiner beiden Videos abzuhalten. Die Anwesenheit von Orthopäden war bei der Vorführung von nur 5 orthopädischen Videos, als Schlusslichter von insgesamt in 3 Tagen gezeigten 52 Filmen leider nicht so stark wie es die Qualität und Aussagekraft des wissenschaftlichen Materials verdient hätte. Man sah die "Acetabulumrekonstruktion mit dem Allogrip Instrumentarium" (WINKLER, H. - Wien) und das Video "Einzeitiger Knieprothesenwechsel mit Vancomycin - imprägniertem Knochenersatzmaterial" (WINKLER, H. - Wien).
Bei der Diskussion meinte man das Instrumentarium von DePuy hätte große Ähnlichkeiten mit dem von Johnson & Johnson - Ethicon. Der Einsatz von Vancomycin-Knochenchips bei Prothesentausch mit Infektionen im Kniegelenk, erfordert engmaschige Kontrollen auch im Punktat, da starke Ergüsse sogar zu Luxationen führen können.
Dann folgten zwei Videos über Osteotomien aus St. Johann, ebenfalls in guter Qualität und Diskussionen über Operationsprobleme und Nachbehandlung.
Die Chevron-Osteotomie (SIORPAES, R. - St. Johann)
Operationstechnische Probleme bei der Weil-Osteotomie (SIORPAES, R. - St. Johann)
Orthopädische Operationen am Präparat (SKRBENSKY, G., TRIEB, K., SIEBER, M. -Wien) OA.Dr. Skrebensky war wieder nicht auf die im Vortragssaal vorhandenen Vorführ-Geräte angewiesen, öffnet seinen Foto-Koffer entnimmt sein Laptop und projiziert seine Videoarbeit gestochen scharf und lichtstark auf eine große Projektionsfläche. Es ist die gleiche Hard- und Software die er auch im Polo-Video einsetzte. Foto-Medico wird in Heft 49 ausführlich darüber berichten.
Dieses Video war leider nicht zu sehen, da kein Film sondern nur ein Abstract einlangte:
Der distal gefäßgestielte mediale M. gastrognemius Muskellappen. Eine Kasuistik (KAUDER, O., KAISERS, H., KELLER, H.-P. - Würzburg/D)
Der mediale Kopf des M. gastrognemius wird in der Standardanwendung als lokaler Muskellappen oder als myocutaner Lappen zum Verschluß von Weichteildefekten zwischen dem distalen Oberschenkel und dem mittleren Drittel des Unterschenkels eingesetzt. Entsprechend des Versorgungstyps I nach Mathes und Nahai wird der Muskel proximal durch den dominanten Gefäßstiel der Aa. surales versorgt. Als distal gestielte Variante ist die Gefäßversorgung über Anastomosen zum benachbarten lateralen Muskelkopf durch die Raphe oder über einen zweiten dominanten Gefäßstiel (Typ III) aus der A. tibialis posterior beschrieben. Mit dieser Variante ist das mittlere Drittel des Unterschenkels erreichbar.
In unserem Fallbeispiel wird der an isolierten Ästen der A. und V. tibialis posterior distal gefäßgestielte, mediale gastrognemius Muskellappen beschrieben. Die Gefäßversorgung entsprach einer anatomischen Variation im Sinne des Typ III nach Mathes und Nahai. Der Rotationsbogen konnte bis in die Malleolarregion ausgedehnt werden. Der Muskelbauch wurde durch ein Spalthauttransplantat versorgt. Bei diesem Patienten mit einer chronischen, tiefen Osteomyelitis der distalen Tibia konnte in unseren Fallbeispiel, nach intraoperativer Prüfung der anatomischen Verhältnisse, auf den ursprünglich geplanten freien latissimus dorsi Muskellappen mit zusätzlichem Hebedefekt und mikrovaskulärer Anastomose verzichtet werden.
Im Vergleich zur Versorgung durch eine freie Muskellappenplastik wird durch eine lokale Maßnahme eine zusätzliche Entnahmezone unnötig. Die Hebedefektmorbidität ist bei der Verwendung eines distal gestielten gastrognemius Muskellappens wegen der geringeren Traumatisierung der Achillessehne geringer einzuschätzen als bei der Verwendung einer distal gestielten M. soleus Lappensplastik.