Ein Blick zurück in die Geschichte der Fotografie zeigt, dass auch die Medizin sich von Anfang an dieses Mediums bedient hat. Dies gilt selbstverständlich auch für die Strahlentherapie. Von Anfang an wurde sie zu dem Mittel, eine Krankheit in ihrem Verlauf zu dokumentieren. Darüber hinaus wurde die Fotografie auch eingesetzt, um die Entwicklung von Apparaten festzuhalten, die in der Strahlentherapie eingesetzt wurden. Dieses fotografische Archiv ist heute ein unentbehrliches Belegmaterial für Forschung und Fortschritt in der Wissenschaftsmedizin.
Das Institut für Radioonkologie im SMZ-Ost ist unserem Wissens nach das erste strahlentherapeutische Institut in Österreich, das sich die Digitalfotografie ab Mai 1998 nutzbar gemacht hat. Grundlage dafür waren die positiven Erfahrungen mit digitaler Röntgentechnik. Unsere Klinik verfügt über zwei Arten von digitalen Fotoapparaten: Wir verwenden vier vollautomatische Kompaktkameras mit 1,1 Millionen Pixel Auflösung (Kodak DC 120 Zoom). Sie sind einfach zu handhaben und genügen heute noch für die meisten Anforderungen, obwohl es bereits modernere Kameras gibt. Weiters haben wir eine hochwertige Spiegelreflexkamera mit 2,2, Millionen Pixel Auflösung (Kodak DCS 520). Diese Kamera ist mit Zubehör (Objektiven, Blitzgeräten, Stativ und einem Balgengerät zur Diafotographie) ausgestattet. Das ermöglicht sehr spezielle und präzise Nahaufnahmen im Bereich Brachytherapie zum Beispiel vom Zervixkarzinom, der Haut und anderen Regionen.
Für die Bildbearbeitung verwenden wir das Fotoshopprogramm Adobe 5,0 und als Foto-Ordner Thumbs 4 Plus - mit sehr guter Erfahrung.
Zum Standard der modernen Strahlentherapie gehört die Patientenidentifikation, die Lagerungsdokumentation, sowie die Dokumentation des Therapieverlaufes von Tumoren, Hautbereichen und Gewebereaktionen. Sie ist aus folgenden Gründen unerlässlich:
1.) Verwechslungsschutz 2.) Hilfe für die täglich notwendige Reproduktion der richtigen Patientenlagerung (Qualitätssicherung) 3.) Dynamik von Tumoren oder Gewebsreaktionen 4.) Aus forensischen Gründen 5.) Lehre und ForschungMit der Bewältigung der neuen Aufgabe wurden eine Ärztin, ein technischer Assistent für Radiologie und ein Werkmeister beauftragt. Alle hatten zuvor einen entsprechenden Kurs über digitale Fotografie absolviert.
Die Fotos können unmittelbar nach der Aufnahme in den Computer überspielt werden, wo sie dann mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes auf dem Monitor sichtbar gemacht und bearbeitet werden können. Dabei kann man z.B. die Farben verändern, den Kontrast und die Schärfe korrigieren, verkleinern oder vergrößern, Ausschnitte festlegen, beschriften und vieles mehr. Für den Aufbau eines digitalen Fotoarchivs benötigt man darüber hinaus ein entsprechendes Datenbankprogramm, um die Fotos in Patientenfoldern auf einer Festplatte abzulegen und wieder auffinden zu können. Die Fotos werden als TIFF oder JPEG Dateien gespeichert. Für den Ausdruck der Fotos verwenden wir zwei spezielle Fotodrucker. Dabei handelt es sich um Thermosublimationsdrucker. Der kleine Drucker für das Format 9x13cm ist der Sony 2500. Die Routinefotos (Lagerungsfotos) werden im Format von 9 x 13 cm täglich ausgedruckt, die Spezialaufnahmen in der Größe von 20 x 30 cm mit dem Codonics NP-1600. Dieser Drucker ermöglicht es uns auch Overheadfolien anzufertigen.
Darüber hinaus können diese Fotos aber auch mit einem digitalen Diaprojektor auf die Leinwand projiziert werden. Die gedruckten Fotos sind Bestandteil der Krankengeschichte des Patienten, sie stehen aber auch, da sie im Computer gespeichert sind, jederzeit jedem autorisierten Arzt über das Netzwerk zur Verfügung. Natürlich kann man sie auch per E-mail weiterschicken.
Die Vorteile der digitalen Fotographie:
Verfügbarkeit - das digitale Fotoarchiv steht allen zuständigen Ärzten zur Verfügung. Zeit- und Kostenersparnis - die Fotos können bei Bedarf jederzeit abgerufen werden.
Bearbeitungsmöglichkeiten - Optimierung, Präsentation als Dias, Folien, Informationsaustausch. Sicherheit: Höchstmaß an Sicherheit für den Patienten durch das Identifikationsfoto.Die Nachteile der digitalen Fotografie:
Hoher Anschaffungspreis des ganzen Systems (Fotoapparat, Computer und Drucker). Hoher Preis für die Ausdrucke.Im Zuge der medialen Vernetzung erweist sich die Digitalfotografie auch für die Strahlentherapie als System mit Zukunft und sollte darum so schnell wie möglich eingeführt werden.
Text und Foto: Peter Zaloudek, Institut für Radioonkologie im SMZ-Ost der Stadt Wien, Donauspital,
Vorstand: Prim. Univ.-Doz. Dr. robert Hawliczek