Josef Ruckhofer

Angewandte Telemedizin in der Augenheilkunde

Technische Neuerungen gestalten zunehmend jeden Alltags- und Arbeitsbereich mit. "Vernetzung", "Internet" und "Multimedia" sind allgegenwärtige Schlagworte, die den Aufbruch in das Informationszeitalter begleiten. Auch das immer mehr mit ökonomischen Herausforderungen konfrontierte Gesundheitswesen wird an dieser rasanten Entwicklung teilnehmen.
Mit Hilfe der Informations- und Kommunikationstechnologie - auch Telematik genannt - könnte der Informationsfluss zwischen den Beteiligten im Gesundheitswesen entscheidend verbessert werden. Visionäre sehen darin die Chance einer effektiveren, kostengünstigeren und angenehmeren Patientenbehandlung. Kliniken, Arztpraxen und Rehabilitationszentren könnten durch den reibungsloseren Informationsfluss untereinander interne Arbeitsabläufe besser koordinieren und so zu einer "konzentrierten Aktion zum Wohle des Patienten" beitragen. Papierberge von Befundberichten, Arztbriefen, Abrechnungsbelegen und Rezepten könnten durch die elektronische Dokumentation und Übermittlung zukünftig eingespart werden.

Angewandte Telemedizin in der Augenheilkunde soll hier anhand eines Beispiels vorgestellt werden:
Ein Patient kam mit akuter Sehverschlechterung in die Ambulanz der Landesaugenklinik Salzburg (http://augenklinik-salzburg.at). Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der Patient an einer chronischen Hornhauterkrankung (Hornhaut: Kuppelförmige klare Schicht über der Pupille, "Fenster des Auges") leidet. Bei dieser Veränderung kommt es zu einer langsamen Verdünnung der Hornhaut am oberen Rand. Im Laufe der Zeit wurde die Hornhaut an einer Stelle so dünn, dass Augenflüssigkeit aus dem Inneren des Auges austrat und somit zu der Sehverschlechterung führte. Dieses Loch stellte auch eine potentielle Infektionsgefahr für das Auge dar und musste nun umgehend verschlossen werden.

Als Therapie sollte nun ein "maßgeschneidertes" Stück Hornhaut (halbmondförmig, 0,4 mm dick) auf den verdünnten Hornhautrand aufgenäht werden. Um so ein Stück Hornhaut herstellen zu können, ist ein spezieller Laser (ELCS, 193nm Excimer Laser) notwendig, der so programmiert werden kann, dass aus einer ganzen Hornhautscheibe (Durchmesser ca. 11 mm, Dicke im Zentrum ca. 0,5 mm), der gewünschte Teil (Lentikel) herausgeschnitten wird.
Von diesem Lasersystem gibt es zur Zeit nur 1 Stück an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie im AKH Wien. (http://www.akh-wien.ac.at/ophthalmology/elcs).

Um den Laser in Wien mit den genauen Daten des gewünschten Lentikels füttern zu können, wurde in Salzburg ein digitales Bild der Patientenhornhaut aufgenommen. Bereits seit 1997 werden an der Landesaugenklinik Salzburg Untersuchungsfotos ausschließlich digital gespeichert. In der Augenheilkunde werden unterschiedliche Untersuchungsgeräte verwendet, um die verschiedenen Augenabschnitte darstellen zu können. Zur Dokumentation des vorderen Augenabschnittes (Lider, Hornhaut, Bindehaut, Linse) wird eine Spaltlampe, für den hinteren Abschnitt (Netzhaut) eine Funduskamera, verwendet. An beiden Geräten ist eine S-VHS 3 CCD Videokamera (Hitachi HV-C20) montiert, die Farbbilder in ausreichender Auflösung (768x576x24) generiert. Übersichtsaufnahmen (Gesicht, beide Augen) werden mit einer Digitalkamera (z. Zt. Canon PowerShot Pro 70, Auflösung 1536x1024x24) erzeugt. Weitere Untersuchungsgeräte, die selbst ein Videosignal liefern (z.B. SLO Scanning Laser Ophthalmoskop oder Endothelspiegelmikroskop) können direkt an den PC der Aufnahmestation angeschlossen werden. Als zentrale Datenbank verwenden wir analySIS 3.0 (http://pweb.de.uu.net/profi/neu.htm), zur Zeit sind mehr als 35.000 Bilder im komprimierten TIF-Format gespeichert.In diesem Fall wurde im gespeicherten Bild der Hornhaut mit einem Grafikprogramm die gewünschte Form des Lentikels ("halbmondförmig") eingezeichnet, die vertikale Linie diente als Maßstab.(Abb. links) Dieses Bild wurde nun per email an den zuständigen Augenarzt im AKH Wien gemailt. Dort wurde anhand der Vorlage die "maßgeschneiderte" Hornhaut mittels Laser geschnitten und an die Augenklinik in Salzburg geschickt. Dieser Lentikel konnte nun auf das Auge des Patienten aufgenäht werden.(Abb.rechts)

Durch den gezielten Einsatz der digitalen Fotografie sowie der elektronischen Kommunikation zwischen den beiden Kliniken, konnte diesem Patienten geholfen werden, seine Sehleistung rasch wieder zu erlangen.

Autor: Dr. Josef Ruckhofer, Landesklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Landeskliniken Salzburg, Müllner Hauptstr. 48, A-5020 Salzburg