Burnout - Prävention
Wann ist es zuviel?

Univ.-Ass. Dr. Ingeborg Pucher-Matzner, Medizinische Universität Wien

Burnout ist ein Zustand mit prozesshafter Entwicklung, der durch emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und Leistungseinbuße bzw. verringerter Leistungszufriedenheit gekennzeichnet ist. Hohe Ansprüche an die eigene Leistungsfähigkeit kennzeichnen gefährdete Personen ebenso wie institutionelle Rahmenbedingungen in denen Überbeanspruchung, Mängel an Kontrolle und Autonomie oder schlechtes Klima vorherrschen. Wenn Anforderungen und persönliche Ressourcen nicht mehr übereinstimmen kommt es zu einer Stressreaktion mit Anspannung, Ermüdung, und Reizbarkeit. Misslingt die Bewältigung dieser primären Stressreaktion kann Burnout mit emotionaler Distanz, steigendem Zynismus und Problemen im Leistungsbereich folgen.

Prävention bedeutet sich mit dem Phänomen auseinander zu setzen, eventuelle eigene Gefährdungen zu erkennen und möglichst frühzeitig Gegenmaßnahmen zu initiieren.

Der Burnout Prozess

Freudenberger und North (2000) beschreiben einen zwölfstufigen Zyklus, wobei die einzelnen Phasen nacheinander oder gleichzeitig ablaufen können bzw. mache fehlen können:

Stadium 1: Der Zwang sich zu beweisen: Es stehen sich die Anpassung (an das System, die Erfordernisse, an die Gegebenheiten etc.) und die eigenen Wünsche gegenüber.

Stadium 2: Verstärkter Einsatz zur Umsetzung üblicherweise zu hoch gesteckter Ziele.

Stadium 3: Daraus ergibt sich eine subtile Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse. Es gibt nur noch Zeit für die Arbeit, für das Projekt. Freunde und Beziehungen werden vernachlässigt, es kommt zunehmend zu Isolierung und Vereinsamung, zu Schlafdefiziten, zu Ernährungsrnängeln, etc. Die Freizeit als freie Zeit verliert ihren Sinn und kann von Arbeitsproblemen und/oder hektischer Freizeitaktivität überwuchert werden.

Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen.

Da ein Konflikt unter Umständen eine Bedrohung oder Krise darstellt, die eine Auseinandersetzung fordern würde, wird er verleugnet oder verschoben. Konfliktfähigkeit und somit auch Wachstum gehen somit verloren.

Die Stadien 3 und 4 bergen schon die Gefahr körperlichen Zusammenbruchs in sich. Häufig geht diese Entwicklung mit der Entwicklung von Sucht parallel.

Stadium 5: Umdeutung von Werten. Mit Konfliktverleugnung, Bedürfnisnegation und Isolation (mangelndes Korrektiv durch andere Menschen), kann es zu Wahrnehmungsveränderungen der Wirklichkeit kommen. Es bekommt z.B.: nur noch die Karriere Bedeutung oder es findet eine Fixierung auf eine ausbrennende Beziehung statt. Empfinden und Empathie für andere werden herabgesetzt.

Stadium 6: Verleugnung der aufgetretenen Probleme. Burnout wird verschleiert. Das Hauptsymptom in dieser Phase ist die Intoleranz. Die Probleme wachsen an und wechseln vom beruflichen sehr stark auch in den privaten Bereich hinüber.

Stadium 7: Rückzug

mit zunehmender Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit, Desillusionierung, Entfremdung ... Kritik wird nicht mehr vertragen, "Dienst nach Vorschrift", etc.

Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderungen

Wenn Suchtmittel eingesetzt wurden und Abhängigkeit besteht, kommt es zu psychophysischen Veränderungen bis zur Apathie.

Stadium 9: Depersonalisation

meint den Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit wie auch für andere Menschen. Hauptsächlich negative Einstellungen beherrschen das Feld. Die Fähigkeit zur Nähe ist verloren gegangen. Die Zeitperspektive wird auf die Gegenwart eingeengt. Das Leben wird immer mehr zu mechanischem Funktionieren herabgemindert. Das Lebensgefühl ist jenes von Entwurzelung und Sinnlosigkeit.

Stadium 10: Innere Leere

Um diese zu überwinden kommt es häufig zu agitierter, verkrampfter Beschäftigung.

- Entweder es passiert jetzt gar nichts mehr (der Betroffenen überschläft z.B.: ein Wochenende mit Hilfe von Psychopharmaka)

- oder es treten Überschussreaktionen auf z.B.: Übermäßiges Essen, gesteigerte Sexualität, übermäßiger Alkoholgenuss, Medikamenteneinnahme. Freizeit ist leere Zeit, oft auch betäubte Zeit.

Stadium 11: Depression

Diese kann in Agitation oder Lähmung auftreten. Es sind sämtliche Symptome depressiver Zustandsbilder in Burnout-Entwicklungen möglich. Verzweiflung oder Gleichgültigkeit, psychophysische Erschöpfung ohne Perspektiven für die Zukunft, Sinnleere und negative Bilanz des Bisherigen kennzeichnen diese Situation.

Es kann in Folge davon zum 12. Stadium kommen, zum psychophysischen Zusammenbruch mit Selbstmordgedanken, Selbstmordtendenzen oder gar Suizid kommen.

Präventivstrategien

Behandlung
Die Erkenntnis, dass es sich bei Burnout um keine persönliche Schwäche handelt, sondern um eine Folge extremer Faktoren und - dass man selbst etwas dagegen unternehmen kann- ist ebenso schwierig wie unerlässlich. Der nötige erste Schritt ist das Sich eingestehen, dass ein Problem vorliegt. Befindet sich der/die Betroffene im Frühstadium können selbst definierte Veränderungsschritte (Gespräche, Supervision, Weiterbildung, Problemlösungen, Arbeitsreduktion, Ausgleich, Sport, etc.) ausreichen. Je weiter fortgeschritten und je länger die Problematik andauert, desto schwieriger wird die Bewältigung ohne professionelle Hilfe.
Psychotherapie und andere unterstützende Maßnahmen bis hin zur medizinisch-medikamentösen Behandlung ermöglichen in vielen Fällen Heilung.

Literatur
Burisch, M. (1994). Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung. Berlin: Springer.
Fengler, Jörg (1998). Helfen macht müde. Zur Analyse und Bewältigung von Burnout und beruflicher Deformation. Reihe Leben lernen Band 77, München: Pfeiffer.
Freudenberger, Herbert; North, Gail (2000). Burnout bei Frauen. Über das Gefühl des Ausgebranntseins. Frankfurt: Fischer.
Maslach, Christina, Leiter, Michael (2001). Die Wahrheit über Burnout. Stress am Arbeitsplatz und was sie dagegen tun können. Wien: Springer.

© Ingeborg Pucher-Matzner, e-Mail: ingeborg.pucher-matzner@meduniwien.ac.at